M2M: Der Markt in Deutschland und weltweit

In Deutschland gibt es derzeit schätzungsweise 2,3 Millionen SIM-Karten, die in den Mobilfunknetzen der vier großen Netzbetreiber für die Kommunikation Maschine zu Maschine (M2M) genutzt werden.

Diese Zahl wird auf 5,0 Millionen Karten im Jahr 2013 anwachsen, so heißt es in der Studie „Die M2M-Industry-Map Deutschland“ der E-Plus-Gruppe. Dabei handelt es sich, so betonen die Autoren um eine Einschätzung, die von Experten als eher zurückhaltend bewertet wird.

Nach Schätzungen des US-amerikanischen Marktforschungsunternehmens Infonetics Research gab es 2009 rund 87 Millionen M2M-Verbindungen über Datenfunk. Bis zum Jahr 2014 sollen es 428 Millionen sein, man geht von einer jährlichen Wachstumsrate von 38 Prozent aus. Derzeit wird über die Hälfte dieser Verbindungen über die GSM-Netze der ersten Mobilfunkgeneration abgewickelt, für starkes Wachstum würden neue Anwendungen erst in UMTS-Netzen der dritten Mobilfunkgeneration und später in den noch schnelleren LTE-Netzen sorgen.

M2M für die Wirtschaft

Tracking and Tracing – im deutschen oft mit Sendungsverfolgung übersetzt – ist in Deutschland ein Wachstumsfeld für mobiles M2M, derzeit werden dort etwa eine Million SIM-Karten eingesetzt, bis 2013 werden es rund 2,3 Millionen sein, so die E-Plus Studie.

Speditionen können so ihre Fahrzeuge besser auslasten und die Routenplanung optimieren. Einsetzen könnten solche Systeme auch Firmen, die Baumaschinen vermieten – um sich vor Diebstahl zu schützen aber auch um sicherzustellen, dass die Maschine nach Feierabend nicht auf einer anderen Baustelle genutzt wird. Auch Mautsysteme gehören in die Kategorie Tracking and Tracing, hier hängt das Wachstum allerdings vom Gesetzgeber ab: Wird bei Lkw die Größe abgesenkt, ab der ein Transporter mautpflichtig ist, bringt das hunderttausend M2M-Modems mehr. Müssten auf Pkw eine Maut zahlen, die von der Zahl der gefahrenen Autobahnkilometer abhängt, kämen auf einen Schlag 40 Millionen Pkw als potenzielle M2M-Kudnen dazu, so die Autoren der E-Plus Studie Steffen Böning, Andreas Dämbkes und Philipp Reichhart.

Ein klassischer M2M-Industrie-Bereich ist die Fernwartung und -steuerung (englisch: Remote Maintenance & Control). Von der Windkraftanlage bis zum Mobilfunkmast können Maschinen jeder Art aus der Ferne gewartet und gesteuert werden. Die Wartungsteams müssen nicht mehr routinemäßig die Anlagen anfahren sondern werden nur bei Bedarf dort eingesetzt. In diesen Bereich fällt auch das Automatengeschäft beispielsweise bei Zigaretten oder Getränken, wo das Nachfüllen über M2M optimiert wird. Hier sagen die E-Plus-Experten ein jährliches Wachstum von 21 Prozent voraus.

Um 19 Prozent soll der M2M-Markt demzufolge jährlich im Bereich „Bezahlsysteme“ (englisch: POS/Payment) wachsen. Sogenannte Bezahlterminals, an denen man per EC-oder Kreditkarte die Rechnung begleicht, werden schon heute beim Groß- und Einzelhandel, in Hotels und bei Taxiunternehmen eingesetzt. Sie können sowohl über Kabel als auch per Mobilfunk betrieben werden.

Der Bereich Messung (englisch: Metering) umfasst vor allem das Ablesen von Verbrauchsdaten im Bereich Strom, Gas, Wasser und Heizung. Hier kann zunächst Personal eingespart werden, da das Ablesen vor Ort entfällt und die Daten direkt an die Messstelle weitergeleitet werden. Hier sagt die E-Plus-Studie ein Wachstum von 26 Prozent voraus, allerdings wird dies von den gesetzlichen Vorgaben abhängen, die beispielsweise den Stromversorgern auferlegt werden.

Im Bereich Fahrzeuge (Automative) gibt es eine Vielzahl von Anwendungen. Denkbar sind Versicherungs- oder Leasingmodelle, bei denen die Zahlungen des Kunden von der Fahrweise und den tatsächlich gefahrenen Kilometern abhängen – das Modell wird  „Pay as you drive“ genannt.  Denkbar auch, dass es ein Gesetz gibt, mit dem ein automatisches Notruf-System in Autos allgemein eingeführt wird – bei jedem Unfall würde per Datenfunk ein Notruf abgesetzt mit der genauen Ortung des Unfallwagens, der so genannte Ecall.

Bei der Sicherheitsbranche  (englisch: Security) stehen M2M-gestützte Alarmanlagen im Vordergrund. So können Büros oder Fabrikhallen überwacht werden. Gestohlene Fahrzeuge kann man orten und per Mobilfunk stillegen. Bei Baumaschinen kann man den Einsatzort definieren, wenn sich die Maschine aus ihrem zuvor festgelegten Radius hinausbewegt oder einen  selbstdefinierten Bereich verlässt, ohne dass die Zündung aktiv ist, zum Beispiel beim Abtransport via Sattelschlepper mit Sattelschlepper wird Alarm gegeben. Das Wachstum schätzen die E-PlusExperten auf 18 Prozent pro Jahr.

Dazu kommt noch der Bereich Gesundheit (englisch: Healthcare), hier gibt es im Wesentlichen hoch spezialisierte Einzelanwendungen, das Wachstumspotenzial in Deutschland wird auf jährlich 33 Prozent geschätzt.

M2M für den Endverbraucher

Neben den klassischen M2M-Anwendungen für die Wirtschaft gibt es auch solche, die sich direkt an den Endverbraucher wenden. Der größte Bereich sind hier Endgeräte für Konsumenten, die über eine M2M-Anbindung zusätzliche Dienste anbieten. Navigationssysteme könnten beispielsweise nicht nur die bekannten Lotsendienste bieten, sondern zusätzliche Informationen wie nahegelegene Tankstellen oder Staus auf der Autobahn liefern.

Mit der Technik der Sendungsverfolgung (Tracking and Tracing) können nicht nur Lastwagen geortet werden. Schon heute kann man in Deutschland den Standort des eigenen Kindes per Handy ermitteln lassen. Unter dem Stichwort Senior Track wird ein System zur Ortung von verwirrten Senioren angeboten. Im angloamerikanischen Bereich gibt es Dienstleistungen zur Ortung von Haustieren über einen im Halsband eingebauten Chip.

An den Endverbraucher richtet sich auch ein Mobilfunk-Angebot in Österreich:  Zuckerkranke Menschen und solche die unter Bluthochdruck leiden könne  die täglichen Messwerte automatisch vom Gerät an eine Datenbank übermitteln, werden festgelegte Obergrenzen überschritten, gibt es einen Alarm.

M2M ist ein weltweiter Wachstumsmarkt

Die Wirtschaftsexperten und Marktforscher sind sich sicher: M2M wird weltweit ordentlich zulegen: Im Jahr 2010 machen die Mobilfunkbetreiber weltweit mit M2M schätzungsweise 3,1 Milliarden Euro Umsatz, in den nächsten vier Jahren werden hier jährliche Zuwachsraten von 24 Prozent erwartet, so schätzt das Marktforschungsunternehmen Idate Consulting & Research, hinter dem das Institut de l’Audiovisuel et des Télécommunications en Europe in der südfranzösischen Stadt Montpellier steht.

Nach einer Analyse von des US-amerikanischen Marktforschungsunternehmens Strategy Analytics wird sich der weltweite gesamte mobile M2M-Markt (also Datenverkehr plus Geräte) bis 2014 auf 57 Milliarden US-Dollar (rund 41 Milliarden Euro) mehr als verdreifachen.

M2M wird vor allem in und mit der Wirtschaft wachsen: „Die Vorteile für Industrien bei der Nutzung von M2M-SIM-Karten liegen auf der Hand“, meint Steffen Böning, Leiter der Strategieentwicklung bei der E-Plus Gruppe. „Durch Prozessoptimierungen und -vereinfachungen lassen sich in vielen Unternehmensbereichen Kosten senken. Es müssen keine Mitarbeiter hinausgeschickt werden, um Maschinen oder Prozesse zu überprüfen. In vielen Fällen reichen Fernabfragen“. Zudem könnten durch technologische Entwicklungen neue Umsätze geschaffen werden.